Das Gesetz der Großen
Stellen Sie sich vor: Sie reichen Ihre Steuererklärung zu spät ein. Kein Problem, Sie zahlen einfach den Verspätungszuschlag. Ein fairer Deal, oder? Regeln sind schließlich Regeln. Was aber, wenn die Post zu spät kommt? Wenn der Steuerbescheid Tage oder gar Wochen unterwegs ist? Auch kein Problem. Dann ändert der Gesetzgeber eben die Regeln.
Das Postgesetz zeigt uns eindrucksvoll, was passiert, wenn ein Unternehmen groß genug ist: Es muss sich nicht den Regeln anpassen – der Gesetzgeber passt die Regeln an. Er verlängert kurzerhand die gesetzliche Frist, innerhalb derer Briefe ankommen müssen (vgl. den Beitrag auf Seite 013). Wir dürfen uns also darauf einstellen, dass unsere Post vom Finanzamt in Zukunft erst nach 8 Tagen ankommt, sofern er nicht zu den 95 % der Briefe gehört, die nach den neuen Regeln bereits nach 3 Tagen ankommen müssen. Aber keine Sorge: Er gilt dennoch (erst) nach 4 Tagen als zugestellt und nicht mehr wie bisher nach 3. Ein großer Fortschritt, der uns alle aufatmen lässt. Die Post scheint wirklich einen guten Draht zu den richtigen Stellen zu haben – davon kann ein kleines Unternehmen nur träumen.
Sie wollen den lästigen Verspätungszuschlag vermeiden? Sorgen Sie einfach dafür, dass Ihr Unternehmen groß genug wird. Dann können Sie sicher sein: Irgendwann passt der Gesetzgeber die Regeln auch für Sie an. Bis dahin hilft nur eines: Pünktlich sein. Denn nicht jeder hat das Glück, die Regeln zu schreiben – oder zumindest jemanden zu kennen, der das für ihn tut. Also, liebe Kleinunternehmer und Freiberufler, halten Sie sich an die Fristen. Die Post macht es uns vor, und wir dürfen uns ein bisschen darüber ärgern – bis zur nächsten Gesetzesänderung.